Du gehst morgens zur Arbeit und weißt genau, wofür. Nicht, weil du es irgendwo mal in einem Hochglanzsatz gelesen hast („Durch kontinuierliche Exzellenz…“ und so), sondern weil du die Zukunft deines Unternehmens lebendig vor Augen hast. Weil sie greifbar ist. Motivierend. Und dein tägliches Tun tatsächlich etwas damit zu tun hat.
Genau darüber hat Fabrice Pöhlmann in seiner Session bei der Tools4AgileTeams 2024 gesprochen: über Vivid Vision – ein Framework, das Unternehmensvisionen aus dem luftleeren Raum zurück auf den Boden der Wirklichkeit holt. Und dabei motiviert, begeistert und Orientierung schafft.
Zwischen Buzzwords und Bullshit-Bingo: Warum klassische Visionen oft versagen
Fabrice startet mit einem augenzwinkernden Realitätscheck. Er zeigt Vision-Statements großer Unternehmen, voller Buzzwords, aber ohne Aussagekraft. Er lässt das Publikum raten, von wem sie stammen. Die Auflösung: selbst Profis erkennen kaum, ob es sich um Microsoft, TED oder Tesla handelt. Warum? Weil sie alle gleich klingen.
Das Problem: Solche „Visionen“ mögen sich gut auf Broschüren machen, doch sie motivieren niemanden im Alltag. Sie sind zu abstrakt, zu generisch. Und sie lassen keine Rückschlüsse darauf zu, was eigentlich zu tun ist.
Was eine Vivid Vision anders macht
Die Idee hinter Vivid Vision ist einfach und gleichzeitig radikal: Es geht nicht um einen Satz, sondern um ein Dokument. Sie beschreibt lebendig, wie dein Unternehmen in drei Jahren aussieht. So konkret, dass daraus OKRs, Quartalsziele und sogar To-dos abgeleitet werden können.
Fabrice zitiert Cameron Herold, den Erfinder der Methode:
„A vivid Vision paints a vivid picture of what your company looks like in three years – to attract top talent, align the current team and keep yourself motivated.“
Konkret heißt das: Eine Vivid Vision ist keine Sammlung an KPIs oder ein PowerPoint-Slide mit bunten Pfeilen. Sondern eine narrative, fast schon romanhafte Beschreibung dessen, was in drei Jahren erreicht sein soll, inklusive Kultur, Kundenfeedback, Produkten, Teamgefühl, Ritualen, Formaten. Und sie wird so geschrieben, als sei all das bereits Realität.
Von der Idee zur Umsetzung: So geht Vivid Vision in der Praxis
Bei HelloNew, dem Unternehmen von Fabrice, hängt die Vivid Vision auf Papier im Büroflur, und das meterlang. Digital ist sie natürlich auch in Miro verfügbar. Und sie ist nicht das Ergebnis eines einsamen Gründer-Moments bei Wein und Whiteboard, sondern eines demokratischen, iterativen Prozesses. Mitarbeitende bringen Ideen ein, das Management konsolidiert, die Geschäftsführung formuliert aus. Storytelling inklusive.
So entsteht ein Zukunftsbild, das nahbar ist. Und das motiviert – weil man sich darin wiederfindet.
Übrigens: Die Vivid Vision ersetzt nicht den Purpose. Bei Hello Design lautet der z. B. „Design for a better life“. Doch während dieser Satz nachts um drei aufsagbar sein muss, zeigt die Vivid Vision, wie genau dieses „better life“ aussehen soll – im Daily Business.
Vivid Vision trifft OKR: Vom Wunsch zur Wirkung
Richtig stark wird die Methode dann, wenn sie mit OKRs kombiniert wird. Denn eine gute Vivid Vision lässt sich in Jahresziele übersetzen. Daraus werden Quartalsziele, welche wiederum Initiativen, Epics und schließlich konkrete To-dos erzeugen. So funktioniert strategische Kaskadierung wirklich.
Natürlich braucht das Mut, Fokus und regelmäßige Review-Zyklen. Und: Man muss damit leben, dass eine Vivid Vision nicht zu 100 % erreicht wird. Fabrice meint: Wenn du 60 % schaffst, war sie ambitioniert genug.
Was du brauchst, um eine Vivid Vision zu entwickeln
Fabrice bringt es zum Schluss auf den Punkt. Damit eine Vivid Vision wirkt, braucht es:
- Inhaltliche Weitsicht – sonst wird’s bloß ein Wunschzettel.
- Storytelling – damit das Team mitfühlt.
- Mut – um groß zu denken.
- Glauben – an das, was möglich ist.
Denn eine Vivid Vision ist nicht nur ein Dokument. Sie ist eine Haltung. Und wenn du selbst nicht daran glaubst, wie willst du dann dein Team dafür gewinnen?
Fazit: Visionen, die man spürt – nicht nur liest
Fabrice hat mit seiner Session einen kraftvollen Impuls gesetzt. Weg von leeren Vision-Statements, hin zu echten Zukunftsbildern. Seine Vivid Vision bei Hello Design hat nicht nur das Team motiviert, sondern sogar eine Workation nach Südafrika ermöglicht – weil das vorher als Wunschbild aufgeschrieben wurde.
Klingt verrückt? Vielleicht. Aber es hat funktioniert. Und genau das macht eine gute Vision aus: Dass sie nicht nur träumen lässt, sondern bewegen kann.
Neugierig geworden? Dann schau dir den vollständigen Vortrag auf YouTube an:
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